Skip to content

NOISE

News Rheinische Post, Duesseldorf, Berlin

GERMAN REVIEW OF THE BERLIN GIG.

Europa-Tournee beseitigt alle Zweifel

Comeback für New Orders Rave-Hymnen

--------------------------------------------------------------------------------

Berlin (rpo). Nach ABC, Human League oder Soft Cell melden sich nun auch die britischen Rock-Helden New Order zurück. Doch bei ihnen sieht die Sache anders aus: Dem euphorischen neuen Album "Get Ready" folgt eine Europa-Tournee, die alle Zweifel beseitigt. Am Donnerstagabend ließen New Order in der restlos ausverkauften Berliner Columbiahalle ein dementsprechend glückliches Publikum zurück.

Mit dem Song "Crystal" geht es los, doch von kristalliner Klarheit ist der Sound leider weit entfernt. Ziemlich breiig kommt die Rave-Hymne aus den riesigen Boxen. Sänger und Gitarrist Bernard Sumner - ohnehin mit einer eher dünnen Stimme ausgestattet - ist kaum zu verstehen. Zwar wird der Klang später besser, doch es bleibt der Eindruck, dass der Mixer in Berlin nicht seinen besten Tag hatte.

Den Fans ist es egal. Ältere Semester und Techno-Kids genießen von Anfang an gemeinsam die Zeitreise in die 80er Jahre, als New Order ihre großen Hits hatten, darunter mit "Blue Monday" einen der einflussreichsten Songs der Pop-Geschichte. Viele Konzertbesucher haben die Anfänge der Musiker in der Kultgruppe Joy Division gar nicht miterlebt und freuen sich nun über ein aufgepepptes "Love will tear us apart".

Der typische New-Order-Sound - Sumners Schrammelgitarre, Peter Hooks supermelodisch treibender Bass und bollernde Beats von Stephen Morris´ Schlagzeug oder aus dem Computer - verfehlt seine Wirkung auch knapp 20 Jahre nach dem Aufstieg der Band nicht. Als letzte Zugabe nach rund 100 Konzertminuten kommt doch noch "Blue Monday", von den Fans enthusiastisch bejubelt - dann gehen die Lichter an. Fazit: New Order haben es verstanden, ihre Relevanz für die heutige Rockszene nachzuweisen. Zwar sind alle etwas rundlicher um die Hüften geworden, feiern jedoch ein im Wortsinne würdiges Comeback.

Auch Humor kann man den einstigen Düstermännern heute nicht mehr absprechen: "Fünf" und "Eins" steht auf zwei Boxen in der Bühnenmitte geschrieben - eine Anspielung der Fußballfans von New Order auf das 1:5-Desaster der deutschen Nationalmannschaft gegen England. Später piesackt Sumner sein Publikum mit der Erinnerung an das Fußball-WM-Finale von 1966, als England gegen Deutschland 4:2 gewann. "War nur Spaß", schiebt der Sänger zur Sicherheit kichernd nach. Die Fans nehmen es ihm nicht übel


Thanks to: Norbert Dewender