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NOISE

News Koeln Express, Cologne, Germany

GERMAN REVIEW OF THE COLOGNE GIG.

New Order im Kölner Palladium
Kult gegen Mittelmaß

Von Roger Ingenthron



Bernard Sumner (vorne), Peter Hook und Stephen Morris (hinten) haben live doch ihre kleineren Probleme.

Nach langjähriger Pause meldeten sich New Order mit ihrem neuen Album "Get ready" eindrucksvoll zurück. Hits wie "Christal" plazierten sich auf den oberen Rängen der Charts und so war es nicht verwunderlich, dass das Konzert im Kölner Palladium bis auf den letzten Platz ausverkauft war.

Für negative Verwunderung sorgte allerdings die fehlende Supportband, an deren Stelle eine DJ mit kalten Dance- und Housebeats in ohrenbetäubender Lautstärke für Stimmung sorgen sollte. Das Einzige, was der gute Mann allerdings erntete, waren Pfiffe und hunderte Hände, die ihre Konzertkarten in Richtung Bühne streckten. Geld zurück für diesen Schmäh.

Als New Order dann endlich die Bühne betraten, war allerdings jeglicher Ärger verflogen. Die Band entschuldigte sich für die Verzögerung durch zu langes Feiern in Berlin. Eigentlich eine Frechheit, den gegen halb zehn kann man wohl seinen Kater weitgehend kuriert haben.

Mit dem Opener "Christal" waren die Wogen aber sofort geglättet. Jede Menge tanzender Fans und Gesang aus mehr als nur einer Kehle konnten allerdings über den zu lauten und grell gemischten Sound nicht hinwegtäuschen. Zudem spielte die Band holprig und lustlos.

Da Bernard Sumner oft am Mikrofon vorbei sang, ging seine Stimme leider auch immer wieder in diesem Soundbrei unter. Das Problem zog sich wie der berühmte rote Faden durch den ganzen Konzertabend.

Egal ob bei Songs wie "Bizarre Love Triangle" aus der frühen Schaffensperiode der Band oder "60 Miles an hour" von der aktuellen Scheibe. Bernard Sumners tiefer und etwas kraftloser Gesang kann sich gegen die Soundwand aus Bass, Gitarre und Sequenzer leider nur selten durchsetzen, wodurch doch viele Songs an Gesicht verlieren.

Zur Rettung des Abends gab es aber noch die Lieder, ohne die New Order nicht dort wären, wo sie heute sind. Joy Division, die Kult-Wave-Band in der Bernard Sumner, Peter Hook am Bass und Schlagzeuger Stephen Morris in den Achtzigern begangen, wird an diesem Abend regelrecht zelebriert. Egal ob "Transmission", "Atmosphere" oder "Love will tear us apart".

Wann die Band eines dieser Lieder anspielt, bricht der lauteste und frenetischste Jubel des Abends aus und beweist eindrucksvoll die Bedeutung Joy Divisions bis heute. Mit dem treibenden Beat von "Temptation", bei dem sich Bernard Sumners Gesang ausnahmsweise einmal richtig durchsetzen konnte, und einem wunderschönen "Love will tear us apart" endet ein durchwachsenes Konzert mit vielen Hits aber wenig Spannung.

Dank Synthesizern klang wenigstens die Zugabe "Blue Monday" druckvoll und transparent. Kult funktioniert leider nicht immer auf allen Ebenen, aber eine Band wie New Order ist auch 2001 immer noch musikalischer Vorreiter und vereint Generationen.

Thanks to: Norbert Dewender